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D.A.S. Athen vs. VfL Halle 96 Freizeit 2 : 3 PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Holger Petzoldt   
Freitag, den 13. November 2015 um 01:22 Uhr

SpielberichtNunmehr das siebte Jahr in Folge sind die Freizeit Kicker von Halle United die einzige Mannschaft des VfL Halle 1896, die im internationalen Wettbewerb antritt. In diesem Jahr führte die Organisationsgöttin, eine Schwester der Los- bzw. Glücksgöttin, die Mannschaft nach Athen. Gegner war die Mannschaft der Deutschen Schule Athen (D.A.S.).

Ein durchaus ernstzunehmender Gegner, besteht er doch mehrheitlich aus freizeitkickerprobten deutschen Hopliten. Die Chancen des Teams des VfL wurden zusätzlich durch ungünstige Flugpläne gemindert. Bereits um 03:00 Uhr morgens begann die Reise in Halle. Das Spiel sollte zur international üblichen Prime Time 20:45 Uhr angepfiffen werden. So musste die Zeit durch ruhige Besichtigungen der Stadt überbrückt und die aufkommende Müdigkeit durch den dosierten Genuss isotonischer Ambrosia unterdrückt werden.

Eine Stunde vor Anpfiff traf die Mannschaft am Ort des Geschehens ein und musste gemeinsam mit den Gastgebern feststellen, dass der Platz durch zwei unterklassige einheimische Mannschaften genutzt wurde. Den lokalen Gepflogenheiten entsprechend, konnten diese aber durch massiven verbalen Einsatz und die Androhung von zweckgebundenen Rettungspaketen (Bier) vom Platz gemerkelt werden.

Der Anstoß hatte sich trotzdem etwas verzögert. Daher hatten die zahlreich anwesenden Fernsehteams leider das Gelände schon verlassen und es gibt lediglich fotographische Zeugnisse der Begegnung. Aber noch nicht einmal das gibt es z.B. vom ersten Tor der Bundesligahistorie. Große Ereignisse finden häufig spät eine Wertschätzung in den Geschichtsbüchern des Lebens.

Durch die eher defensive Aufstellung von Coach Pep Sonne, im 4-4-2 wurden auch die beiden Außen durch nominelle Verteidiger besetzt, irritiert, wähnte sich der Gegner wohl in einer gewissen Sicherheit und wurde durch das ungewöhnlich laufintensive Forechecking der beiden Stürmer sowie der Außen sofort im Spielaufbau gestört. Bei eigenem Ballbesitz schalteten die halleschen Freizeits ungewohnt schnell und vor allem präzise um. So wurden sich in den ersten 15 Minuten gute Chancen erarbeitet.

Nach zehn Minuten müllerte sich Lehmi wie immer technisch unvollkommen, aber erfolgreich, durch die linke Strafraumseite der Gastgeber. Der Ball kam irgendwie zu Petzi, der nur noch einnetzen musste. Bei Jungnationalspieler Gomez geht so etwas schon mal über das Tor, aber nicht beim VfL. Unverständlicherweise entschied der nicht existente Unparteiische aber auf vorheriges Aus. So ging es torlos weiter.

In der 20. Minute passierte es dann aber. Nach einer durch Pressing verursachten Balleroberung geschahen wundervolle Dinge. Ein Teil der Anwesenden vermuteten sogar Sehstörungen ob eines Isotonenschocks. Volkan Tittel, während seiner Zeit in der timbuktischen Giga-Weight-Group (GWG) auch bekannt als Volk Tiffel, spielte einen Ball zum eigenen Mitspieler Lehmex. Der nahm diesen nicht nur kontrolliert an, sondern passte auch noch weiter auf Mirko. An der Strafraumgrenze zog der dann flach, platziert aber etwas kraftlos ab. Der frisch vom Gegner verpflichtete Torhüter erreichte das Spielgerät trotzdem nicht: 0:1 für die VfLer.

Kurz darauf Ecke für die halleschen Freizeits von der linken Seite. Getreten durch Krebsmipe auf den langen Pfosten. Dort entstand ein etwas unübersichtliches Gewusel aus dem heraus Lehmi mit seiner stärksten Waffe, dem großen Zeh des rechten Fußes, vollstrecken konnte. 0:2, alles schien nach dem nicht existierenden Plan zu laufen.

Allerdings schalteten die Freizeits nun etwas zurück und wechselten auch, im tiefsten Vertrauen auf die eigene Klasse, nicht positionsgebunden durch. Gegen die mit international geschulten Spielern gespickten Bewohner der griechischen Hauptstadt eine etwas unvorsichtige Maßnahme. So kamen diese zum Anschlusstreffer und hatten darüber hinaus bis zum Halbzeitpfiff des unauffällig agierenden, weil nicht vorhandenen, Unparteiischen noch die eine oder andere gute Chance.

In der Pause gelang es Coach Pep Sonne durch Geschwafel über Marktanalysen unbewohnter griechischer Inseln und Produktportfolios griechischer Salate wieder etwas Ordnung in die Reihen der VfLer zu bringen. Das Spiel konnte aber nicht mehr so überlegen wie zu Beginn der Partie geführt werden. D.A.S. Athen kam sogar noch zum Ausgleich. Entgegen den bisherigen Erfahrungen öffnete Halle United nun aber nicht seine Abwehr. Die Grundstruktur des Spiels wurde beibehalten. 15 Minuten vor Ende der Partie gelang wieder eine Balleroberung im Mittelfeld. Diesmal machte es Lehmi aber wie immer und rannte sturen Blickes auf Tor und gegnerischen Hüter zu, ohne frei mitlaufende Mitspieler zu erkennen. Auch in dieser Situation war dem VfL aber Futballos, der Gott der hüftsteifen Hobbykicker, hold und Lehmis Fuß traf nicht nur den Ball, sondern dieser dann auch noch das Tornetz an der richtigen, innen liegenden Stelle. 2:3, der Sieg schien nahe.

In den letzten zehn Minuten drückten die Gastgeber noch einmal massiv auf Tempo, Ball und Supergoalie Möhrchen. Die Trikotsponsoren-Innenverteidigung Bodo und Hakan drosch einen Querschläger nach dem anderen ungekonnt ins Aus. Außer ein paar vollkommen ungefährlichen Kopfbällen nach Ecken, kam nichts Zählbares mehr zu Stande. Auswärtssieg!

Nach dem gemeinsamen Abreiben mit handgezählten 160 Feuchttüchern, die Duschen waren offensichtlich ein Schlager der griechischen Exportpolitik, also nicht mehr im Land, zogen beide Mannschaften fröhlich stinkend aus dem Stadion und in eine ortsübliche Taverne ein. Das servierte Mahl hätte dem kleinen gallischen Dorf von Umfang und Bekömmlichkeit alle Ehre gemacht.

Anzumerken ist noch, dass die Freizeit Kicker Halle United nicht nur die einzige Mannschaft des VfL Halle 1896 ist, die jährlich international spielt. Sie sind wahrscheinlich weltweit die einzige Mannschaft, die seit sieben Jahren aus keinem internationalen Wettbewerb ausgeschieden ist. Bisher gab es noch kein einziges Rückspiel. Auch schlechte Ausgangslagen können somit theoretisch mit Unterstützung des beim Verein, egal bei welcher Mannschaft, immer zahlenmäßig schier unüberschaubaren Heimpublikums aufgeholt werden.

Im kommenden Jahr reisen wir wieder, versprochen!