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Interview mit Neuzugang Giorgaki Tsipi PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Sven Schlüchtermann   
Mittwoch, den 11. Dezember 2019 um 09:49 Uhr

Vereinsinfo

Tommy Kind schoss in der vergangenen Saison fast die Hälfte aller 96er-Tore. Als er diese Saison zurück zur BSG Chemie Leipzig wechselte, war die Sorge groß, dass es in dieser Saison schwierig werden würde mit dem Tore schießen bei den Kickern vom Zoo.  Doch der Neuzugang von der TSG Neustrelitz, Giorgaki Tsipi, mausert sich immer mehr zum Torjäger und traf bereits sechsmal in dieser Spielzeit.

Im Interview spricht er von seiner neuen Rolle beim VfL Halle, dem Unterschied zwischen dem Fußball in Griechenland und Deutschland und dem Traum vom Profifußball.

Interview: Sven Schlüchtermann

Bevor du zum VfL Halle 96 gekommen bist hast du in 79 Oberligaspielen acht Tore erzielt. In der letzten Saison bei der TSG Neustrelitz hast du die ganze Saison nicht getroffen. In dieser Saison sind es nach 13 Spielen bereits sechs Treffer. Woran liegt’s?
Ich spiele hier beim VfL Halle eine andere Position. Bei Askania Bernburg habe ich zum Beispiel eher als Sechser (Anm. d. Red.: Sechser ist eine eher defensive Position im zentralen Mittelfeld) gespielt und auch bei meinen anderen Stationen wurde ich meist im Mittelfeld eingesetzt. Meine Tore resultierten dann vorwiegend aus Fernschüssen und Freistößen. Hier beim VfL spiele ich viel weiter vorne und die Chance auf Tore hat sich so natürlich erhöht.

Gefällt dir diese offensivere Rolle besser?
Ja. Wenn wir allerdings noch einen großen Stürmer vorne im Zentrum hätten, würde es meinem Spiel noch mehr entgegenkommen.  Ich habe in den letzten Jahren auf vielen unterschiedlichen Positionen gespielt, so war es auch nichts Neues, mich auf eine neue Position einzustellen.

Spürst du größeren Druck, weil viel von deinen Toren abhängig ist?
Auf jeden Fall. Meine Aufgabe vorne in der Spitze ist es natürlich, Tore zu erzielen. Wenn das mal nicht klappt, dann sieht es natürlich nicht gut aus für mich. Alle erwarten schließlich von einem Stürmer, dass er Tore schießt. Diesen Druck hatte ich im Mittelfeld weniger.

Du bist 2016 vom A.C. Rigas Feraios Velestino an die Saale zum SV Merseburg 99 gewechselt. Wie kam es zum Wechsel von einem griechischen Drittligisten zum Oberligisten?
Ich habe eine neue sportliche Herausforderung gesucht und bin wegen des Fußballs nach Deutschland gekommen. Der Fußball in Deutschland ist auf einem höheren Niveau als in Griechenland. Mein Vater hat in Leipzig gelebt und hat damals jemanden kennengelernt, der Kontakte zu verschiedenen Vereinen hatte -unter anderem auch zu Merseburg 99. So war es mir möglich, ein Probetraining dort zu absolvieren. Und obwohl die Kaderplanung eigentlich schon abgeschlossen war, konnte ich den Trainer von mir überzeugen. Die Saison verlief allerdings nicht so gut für mich. Ich kam relativ spät aus Griechenland und die Saisonvorbereitung in Deutschland war schon vorbei. Ich hatte dann erstmal kein Stammplatz und habe insgesamt nur acht Spiele für Merseburg gemacht.

Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen der griechischen Dritten und der deutschen fünften Liga?
Zunächst einmal sind die Fußball- und Trainingsplätze hier in Deutschland in einem viel besseren Zustand. Fast jeder Verein hat gute Rasen- bzw. Kunstrasenplätze - das war bei den Vereinen in Griechenland nicht so. Besonders im Winter waren die Plätze kaum bespielbar. Außerdem ist das Spieltempo hier in der Oberliga wesentlich höher und das Spiel physischer. Es gab allerdings sehr viele technisch starke Spieler in der griechischen Liga, in der ich gespielt habe.

Blicken wir mal ein bisschen zurück: Wo hast du das Fußballspielen gelernt?
Ich bin in Albanien geboren, dann aber schon sehr früh nach Griechenland gegangen. In der Jugend habe ich unter anderem bei Olympiakos Volos gespielt. Olympiakos stieg 2009/10 mit der 1.Mannschaft in die erste Liga auf und qualifizierte sich in der folgenden Saison sogar direkt für die Europa League. Ich habe dort nach der Jugend dann in der zweiten Mannschaft gespielt und streckenweise auch bei den Profis mittrainiert. Leider hat es dann aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Ich bin dann nach GS Almyros und schließlich zu Rigas Feraios gewechselt.

Zurück nach Deutschland. Mit Umwegen über Bernburg und Neustrelitz bist du schließlich am Zoo beim VfL Halle gelandet. Wie kam es dazu?
Ich wollte gerne mal länger an einem Ort sein -am liebsten in Leipzig, wo ich jetzt auch mit meiner Freundin wohne, die kürzlich aus Griechenland hierhingekommen ist. Ich wollte dann bei einem Verein spielen, der von hier auch noch relativ gut erreichbar ist. In Leipzig arbeite ich jetzt auch.

Was machst du?
Ich arbeite in Vollzeit als Lieferant bei einer Firma, die Obst, Gemüse und andere Lebensmittel an Hotels und Restaurants liefert.

Ist die Arbeit problemlos mit dem Aufwand des Oberligafußballs vereinbar?
Es geht, aber es ist schon sehr anstrengend. Oft fange ich schon um fünf Uhr an zu arbeiten und schaffe es an manchen Tagen nicht, mich nochmal vor dem Training auszuruhen. Das ist schon eine hohe Belastung, die sich auch leider ab und zu negativ auf meine Trainingsleistung auswirkt.

Das heißt, für Dinge neben der Arbeit und dem Fußball hast du kaum noch Zeit?
Leider nicht so richtig. Ich habe früher sehr gerne gezeichnet und gemalt. Dazu komme ich aber leider kaum noch. Filme gucke ich sehr gerne. Den Ton schalte ich immer auf Deutsch, damit ich die Sprache verbessere. Mittlerweile verstehe ich fast alles, aber das Sprechen fällt mir manchmal noch etwas schwer.

Kein Wunder bei so einer komplizierten Sprache. Dein erstes Interview in Deutschland mit der Mitteldeutschen Zeitung hast du noch auf Englisch gegeben. Die Frage, ob du Fußballprofi werden möchtest hast du mit „That’s my dream“ (deutsch: Das ist mein Traum) beantwortet. Hast du diesen Traum immer noch?
Mittlerweile bin ich schon 28 Jahre und ich kann auch nicht mehr soviel Zeit in den Fußball investieren. Für mich ist das Hauptziel momentan, eine gute Saison mit dem VfL zu spielen und auch mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Aber man sollte ja niemals nie sagen. Ich fühle mich hier beim VfL außerdem sehr wohl, die Mannschaft hat mich von Beginn an super aufgenommen und die Fans sind auch fantastisch. Es fahren auch bei weiten Auswärtsfahrten fast immer welche mit und unterstützen uns. Das ist unglaublich. Von ihnen geht immer eine positive Energie aus -auch wenn es mal sportlich nicht so läuft. Das ist ein schönes Gefühl, wenn du weißt, dass immer jemand an deiner Seite steht.

Dann hoffen wir, dass du noch lange das blau-rote Trikot trägst und auch weiter das Tor so gut triffst. Hast du dir für diese Saison noch ein sportliches Ziel gesteckt?
Ja, ich möchte 20 Tore schießen.

Wir drücken die Daumen!